Restaurieren heißt nicht, neu machen!
Vertragsbuch von 1609-1643
Restaurieren bedeutet viel mehr, originale Substanz reversibel zu sichern um diese dauerhaft zu erhalten.
Dieses Buch hat den 30-jährigen Krieg überstanden und bis in unsere Zeit überdauert.
Im Laufe der Jahrhunderte hat es durch wiederholte Nutzung viele Gebrauchsspuren bekommen.
Das ist gelebte Geschichte, welche für Wissenschaft und Forschung wichtig und erhaltenswert ist.
Daher wird am Buch nur das bearbeitet oder ergänzt, was zur Langzeitstabilität und dem Erhalt von essentieller Bedeutung ist.
Dazu zählt beispielsweise das Anfasern der ersten Lagen dieses Bandes. Die stark in Mitleidenschaft gezogenen ersten Blätter weisen größere Fehlstellen und Risse auf, die zwingend geschlossen werden müssen, um eine weitere Nutzung des Buchs sicher zu gewährleisten ohne dass weitere Schäden an den Blättern entstehen. Die Fehlstellen wurden mit Hilfe eines Anfasergeräts gefüllt und Risse mit hauchdünnem Japanpapier fixiert. Beim Anfasern wird flüssiger Papierbrei über einem Sieb mit dem darauf liegenden Objekt zum Ablaufen gebracht. An den Fehlstellen lagert sich so der Papierbrei an und ergänzt das geschädigte Blatt.
Auf den Bildern sind drei Stufen der Restaurierung zu sehen.
- Vor der der Restaurierung mit einem Riss einer kleinen Fehlstelle und einer alten Verklebung auf der Oberfläche
- Nach dem Ablösen der Verklebung (Tesafilm) und dem eingedrungenen Klebstoff.
- Nach dem manuellen schließen von Fehlstelle und Riss.
Größere Fehlstellen werden mit dem Anfasergerät geschlossen. Dazu wird ein wässriger Papierbrei über ein Sieb gegossen, so dass sich dieser an den Fehlstellen anlagert.
Hier kann man den Anfaservorgang in 5
Schritten beobachten:
- Aufschlagen der Papierfasern im Mixer
- Objekt wird auf das Sieb aufgelegt
- Das Objekt wird durch ein Stützgitter fixiert.
- Faserbrei läuft auf das Sieb.
- Durch Unterdruck, wird der Faserbrei entwässert.
An den Fehlstellen lagern sich die Fasern an.
Weitere Bilder von der Restaurierung dieses Buchs.
- Reste vom Hautleim werden mit Hilfe von wasserbasierten Gelen gequollen und anschließend abgeschabt. Die Folie verhindert vorzeitiges austrocknen.
- Der Rücken ist gereinigt und die gebrochenen Bünde werden wieder verlängert.
- Die durch Anfasern restaurierten Lagen werden an den verlängerten Bünden wieder am Buchblock befestigt.
- Die Bünde werden wieder auf dem alten Deckel verklebt.
Zwischen den Bünden wird mit einem Baumwollstoff der Buchrücken hinterklebt und verstärkt. Alle Verklebungen erfolgen, wie ursprünglich, mit Hautleim. - Fertig stabilisierter Buchrücken mit angesetzten Deckeln, fertig zum Einledern.
- Ein neuer Rücken aus pflanzlich gegerbtem Leder wird angearbeitet. Im Gegensatz zum alten Rücken, wird dieser jedoch hohl verarbeitet und nicht fest mit dem Rücken verklebt.
- Der alte Buchrücken wird auf dem neuen Lederrücken verklebt und in Form abgebunden.
- Die Ecken am alten Buchdeckel sind aus Pappe gefertigt und stark bestoßen. Mit Hautleim und Kleister, bekommen Sie Ihre Form und Festigkeit wieder zurück.
- Das fertige Buch in einer maßgefertigten und Kassette.
Säurefrei, atmungsaktiv und staubdicht.